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  • Jessica Hailer

Die Anfänge - Das Fohlen ABC - Halftern

Wie geht man mit einem Jungpferd um? Für gewöhnlich findet die erste Prägung auf den Menschen beim Züchter statt, die ersten 72h sind entscheidend.

Hierauf hat der gewöhnliche Pferdebesitzer keinen Einfluss.

Wen man sich dann einen Absetzer (ab dem 6. Lebensmonat) kauft, geht man davon aus, dass das Tier menschenbezogen, freundlich und verspielt ist. Ebenso sollten die Basics bekannt sein, also Hufe geben, Halftern lassen und am Strick mitkomen.

Aber was, wenn das nicht so ist? Bei Gabriel fehlte die Grunderziehung leider ziemlich. Auch nahm er mich nicht wirklich als Leitfigur ernst, sah eher eine Mischung aus Kratzbaum und Spielkamerad in mir.

So lag es an mir, dem kleinen Mann die Grundregeln unserer Partnerschaft beizubringen.


Gar nicht so einfach, wenn das Jungpferd seinen eigenen Kopf hat. Und Gabriel hatte mehr als nur einen starken Willen, wenn es darum ging, etwas NICHT zu tun.

Halfter war am Anfang absolut das schlimmste Drama und so lange wir das nicht gemeistert hatten, brauchte ich an nichts anderes Denken.

So fing ich bei ihm an, wie man bei frisch geborenen Fohlen anfängt. Halfter mitnehmen, daran schnuppern lassen, Nasenstück drüber stülpen, weg nehmen, loben.

Den Genickriemen machte ich gleich auf, denn die Ohren waren das nächste Tabu-Thema. Anfassen wurde mit steigen und beißen quittiert.


Es dauerte knapp eine Woche, bis das Nasenstück toleriert wurde, dann kam der Genickriemen drum, kurz festgehalten und wieder weg. Das Spielchen machte ich mehrmals am Tag für wenige Minuten, bis ich den Genickriemen auch schließen konnte. Als das sicher saß, berührte ich "zufällig" beim Halftern seine Ohren. Am Anfang der persönliche Horror für das kleine Pony. Irgendwann schien er mir zu glauben, dass ich gar nichts von seinen Ohren wollte, sondern das alles passierte, weil ich so unpräzise beim Halftern war.

Schließlich war es kein Problem mehr, die Ohren anzufassen und wie von selbst konnte ich das Halfter ohne offenes Genickstück über das Pferd stülpen.


Recht schnell stieg ich vom einfachen Nylonhalfter zu ergonomisch geformt und gepolsterten Halftern um. Gabriel hatte schon zu viele negative Erfahrungen mit dem Halfter gemacht, die wollte ich nicht verstärken. Ergonomische und gepolsterte Halfter verteilen den Druck besser und verhindern ein kopfscheues Fohlen.

Im Laufe der Zeit kann man natürlich auch umsteigen oder von Anfang an fein arbeiten. Gabriel genoss die weichen Halfter sichtlich und so konnten wir am Paddock die ersten Führübungen machen, denn das war die zweite Baustelle die kommen sollte.

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